BÜHNE Magazin 02/2026
- Sprache: Deutsch
- Handylärm als neues „Schlagwerk“ im Opernsaal
- Sein. Claudius von Stolzmann ist "Hamlet".
Klongs und Fully Pfosts
Es gibt ein neues Schlagwerk an der Wiener Staatsoper und das macht so:
KLONG. Manchmal hallt es nach: KLOOOONGG. Die Einsätze folgen keiner Logik und auch keinem Libretto. Es gibt keinen Einsatz vom Dirigenten. Es KLOOOONGGGT einfach. Einmal rechts und einmal links und manchmal auch aus einer Loge.
Eigentlich ein Wunder, dass bislang das KLONG nicht durch einen Schmerzensschrei abgelöst wurde, dann nämlich, wenn das aus der Hose und Handtasche fallende Handy nicht mehr auf dem Boden klongt, sondern irgendwo auf dem Schädel eines anderen Opernbesuchers.
Noch mehr Freude bereitet mir, dass immer öfter Menschen im Saal ihr Handydisplay in den „Dark Mode“ schalten. Diese Alpha-Keims glauben dann, dass ihr WhatsAppen und SMSen nicht mehr bemerkt wird und niemanden stört.
Der Dame, die letztens im Burgtheater zur Selbsthilfe griff und mit ihrem Programmheft einer zuvor mehrfach ermahnten Mittvierzigerin das iPhone einfach aus der Hand geschossen hat, danke ich sehr. KLONG machte es – und eine Ruhe war.
Sehr schön auch der schwärmerische Ausruf eines Opernbesuchers: Zwei asiatische Touristen hatten den gesamten zweiten Akt mit Hand verbracht und damit alle Umstehenden genervt.
„Your behavior was very unpolite, you fully pfosts“, sagte der Herr.
Die Touris nickten und sagten freundlich: „Thank you, ja, tach wir mar.“
Vielleicht hat der Mann nicht die ganz korrekte Übersetzung getroffen, aber in Wirklichkeit hat er recht.
Es ist zum Klongen!
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