BÜHNE Magazin 03/2026
- Sprache: Deutsch
- Kultur als Ort von Haltung & Diskurs
- Warum Bühne mehr ist als Unterhaltung
Sag mir, wo die Politiker sind!
Was haben der Wiener Bürgermeister und meine Lieblingstante gemeinsam? Sie gehen beide ins Theater, sind kulturinteressiert, haben eine Meinung zu dem Gesehenen. Das gefällt mir. Denn ich finde, Politiker gehören ins Theater, in die Oper. Denn dort wird die Gegenwart, die Zukunft verhandelt. Dort wird Schönheit und Exzellenz zelebriert. Dort reißen sich jeden Abend Hunderte Menschen den Dings auf, um ihr Publikum glücklich, nachdenklich oder vielleicht verärgert nach Hause zu entlassen. Aber mal ehrlich: Was ist der Ärger über eine missglückte Aufführung im Vergleich zu den Wahnspielen eines Donald Trump? Eines Verrückten wie Putin. Es ist doch so: Im Theater spielen sie Leben. Putin und Trump spielen mit Leben. Also wo seid ihr, liebe Politiker*innen? In Zahlen gesehen sind wir Kulturverrückten eine echte Armee: 600.000 besuchen jährlich die Aufführungen der VBW. 1,4 Millionen sind es in Staatsoper, Burgtheater und Volksoper. Wir alle werden auch wählen. Ins-Theater-Gehen ist Herzensbildung, es nordet ein, es fordert den Intellekt. Und: Man kommt nicht auf die absurde Idee, Theater aus Sparmaßnahmen zu schließen. Wenn das Zusperren wirklich die Ultima Ratio ist, dann setze ich mich in die Ecke, weine und stampfe mit den Füßen wie ein Vierjähriger. Ja, ja, ich weiß eh. Das nützt nichts. Aber ich würde es trotzdem machen, allein schon, weil Kinder damit hie und da erfolgreich sind. Also: Liebe Politiker*innen, traut euch. Rein in die Theater – und wenn ihr euch nicht auskennt: einfach BÜHNE lesen. Bis dann.
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